Ressourcen, Ressourcen, überall und nirgendwo Ressourcen

Ein großes Thema wurde im Blog bisher weniger beachtet bzw. nur peripher gestreift: die ökonomische Seite der Krise. Sicherlich, die Auseinandersetzung mit der Kulturindustrie und die Bedeutung des Toilettenpapiers sind auch im weitesten Sinne ökonomische Themen und die Prekarität von Wohnungslosen zeigt eindeutig das Verhältnis von fehlendem ökonomischem Kapital und Krise auf. Dennoch fehlen in der Liste unserer Schlagwörter bis jetzt Begriffe wie „Ökonomie“ und „Wirtschaft“. Eigentlich merkwürdig, wenn man sich die Entstehungsgeschichte des Blogprojekts vor Augen führt. Ausgangspunkt war ein Seminar, das wir im Zuge unseres Masterstudiums belegt haben. Thematische Fokussierung war die Aushandlung von Ressourcen, Knappheit und Überfluss in unterschiedlichen Kontexten. Am Ende des Semesters stand ich vor der bekannten Aufgabe, ein Forschungsfeld für die Hausarbeit zu finden. In dieser Zeit wurde auch Corona zunehmend zum Thema und rückte damit ins Blickfeld der Themenfindung. Nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen und mit der Schließung der Bibliotheken lag das Projekt Hausarbeit erst einmal brach und aus der Idee, Corona im Kontext dieser Seminararbeit zu thematisieren, entwickelte sich langsam der Blog, der die Krise und ihre Folgen und Ausformungen in das Zentrum rückt. Beachtet man die mediale und lebensweltliche Präsenz der ökonomischen Folgen, scheint es fast gefordert, diese vermehrt zu thematisieren. Diesen Beitrag verstehe ich als einen ganz persönlichen Versuch, mich an den Themenkomplex „Ressourcen“ heranzuwagen und damalige Ideen konzeptionell an- und weiterzudenken.

Exploration

Oft ist es bei einem neuen Forschungsthema doch so, dass auf die erste Sensibilisierung das Wahrnehmen unzähliger Phänomene folgt, die in den Dunstkreis des Themas hineinspielen. Dokumentarisch festgehalten werden sie meist durch Schnappschüsse und gespeicherte Screenshots sowie kurze Notizen am Rand herumliegender Dokumente. Um sie herum beginnt sich das Feld zu formieren und analytische Zugänge zu einzelnen Phänomenen werden ausgearbeitet, während andere Beobachtungen verworfen werden.

Abb. 1

Wenn ich jetzt in die Galerie meines Smartphones schaue und mir meine visuellen Notizen zum Thema Corona und Ressourcen betrachte, fallen mir die Paradoxien und Widersprüchlichkeiten im Feld auf. Neben Fotos aus Supermärkten, die die leergekauften Regale zeigen, und Hinweisen an Apotheken zu leergekauften Desinfektionsmitteln (Abb. 1) gibt es auch Werbeplakate für Handwaschmittel, die

Abb. 2

dieses als besonders wirksam in der gegenwärtigen Lage beschreiben (Abb. 2) oder Rabattaktionen, die mit der Tendenz zum Hamsterkauf spielen (Abb. 3). Auch die Erweiterung bestehender Produktpaletten spielte hinein, wie beispielsweise bei einer großen Einrichtungskette, die plötzlich Desinfektionsspray führte (Abb. 4). In allen Beispielen scheint es in irgendeiner Weise um Ressourcen zu gehen. An der einen Stelle fehlen sie, an der anderen werden sie geschaffen – Corona selbst wird zur Ressource der Marketingstrategien. Das allein hat jetzt noch keinen analytischen Wert. Vielmehr muss in den Blick rücken, welche Prozesse und Dynamiken im Feld zu diesen Phänomenen führen, welche Akteur*innen involviert sind und wie sich daraus Netzwerke und Machtverhältnisse bilden. Grundlage hierfür ist ein sozialkonstruktivistisches Verständnis von „Ressourcen“, wie es u. a. die Kulturanthropologin Gisela Welz in ihrem Aufsatz Knappheit – eine anthropologische Kategorie? (2015) formuliert.

Abb. 3

Knappheit und Toilettenpapier

Welz löst sich von einem Verständnis von Ressource in einem wirtschaftswissenschaftlichen Sinn. Anstatt Ressourcen essentialistisch als „alle Bedingungen und Stoffe […], die Produktionsprozesse er-möglichen“ (2015: 37) zu fassen, betrachtet sie deren Gemachtheit und erläutert das an der Kategorie der Knappheit: „Das Zur-Neige-Gehen eines Stoffes […] per se konstituiert keine ,Knappheit‘ einer Ressource, sondern die metrologischen und technologischen Operationen, die diesen Zustand sichtbar

Abb. 4

machen, und die wissen(schaft)sbasierten Ansprüche, die diesen Zustand dann als Knappheit definieren, machen Güter knapp“ (ebd.: 40).
Diskurse, Wissen und auch Praktiken konstruieren damit Ressourcen und Knappheit, was jeweils situativ ausgehandelt wird und damit einen Objektivitätsanspruch unterläuft. Knappheit „ist vielmehr als eine jeweils unterschiedlich situierte Kategorie zu begreifen, deren Plausibilität durch spezielle Objektivierungsmechanismen hergestellt wird“ (ebd.: 47). Welz plädiert dafür, Knappheit als Produkt menschlichen Handelns zu betrachten. Das zeigt auch das Beispiel des Toilettenpapiers. Weder ein Produktionsausfall noch verlorengegangene Ware führten zu der Deutung von Knappheit. Vielmehr war es eine Umverteilungsproblematik, die durch Hamsterkäufe viele Packungen wenigen Akteur*innen zuordnete. Als knapp markiert wird das Toilettenpapier erst im Spannungsfeld der Praktiken des Hamsterkaufens, der Deutung der leeren Regale beim Einkauf und damit einhergehenden zukunftsorientierten Ängsten, der darauf folgenden Regularien und der medialen Aufarbeitung und Inszenierung. Diese Punkte laufen nicht getrennt voneinander ab, sondern bedingen sich gegenseitig und formen damit das mit, was als Knappheit gedeutet wird. Eine weitere Aufgabe wäre nun, diese Mechanismen und Dynamiken näher nachzuzeichnen, um die Verteilung von Deutungs- und Machtverhältnissen im Feld besser erfassen zu können.

Schnelllebigkeit der Krise

An dieser Stelle wird für mich auch deutlich, was die zentrale Herausforderung der Beforschung der gegenwärtigen Krise ist, die sich im Bereich der Wirtschaft vielleicht am stärksten wiederspiegelt: die Kurzlebigkeit und rasante Veränderung. Das Thema Toilettenpapier beispielsweise, das mir im März noch so prägnant erschien, ist inzwischen, nur wenige Wochen nach Beginn der Krise, eigentlich schon nicht mehr aktuell und hat im Feld an Bedeutung verloren. Stattdessen treten andere ökonomische Fragen auf, denen, das ist zumindest mein Eindruck, von den Akteur*innen eine höhere Brisanz zugeschrieben wird. Mir stellt sich dann die Frage, welche Auswirkungen das auf die ethnografische Arbeit hat. Das Potenzial unserer Disziplin ist es sicherlich im Kleinen, im Sichtbaren, die Unsichtbarkeiten und dahinterliegende politische Formationen aufzudecken und zu verstehen, wie es Jens Adam und Asta Vonderau deutlich machen (2014). Doch in welchem Maße sollte die Wahl der beforschten Phänomene auch durch das Feld geleitet werden und reflektieren, welche Erwartungen und Implikationen dort situativ regieren?

Lea Breitsprecher (Freiburg im Breisgau)

Literatur

Jens Adam/Asta Vonderau (2014): Formationen des Politischen. Überlegungen zu einer Anthropologie politischer Felder. In: dies. (Hg.): Formationen des Politischen. Anthropologie politischer Felder. Bielefeld: 7-32.

Gisela Welz (2015): Knappheit – eine anthropologische Kategorie?. In: Grewe, Maria/Tauschek, Markus (Hg.): Knappheit, Mangel, Überfluss. Kulturwissenschaftliche Positionen zum Umgang mit begrenzten Ressourcen. Frankfurt a. M.: 35–56.

Der Geist ist aus der Flasche – 1/2

Wagt man eine kulturanalytische Zeitdiagnose oder gar eine Prognose, dann besteht immer die Gefahr, Kurzfristiges mit Langfristigem, Elementares mit Marginalem zu verwechseln. Was aktuell relevant wirkt, kann perspektivisch gesehen unbedeutend sein; was derzeit hingegen als abseitig erscheint, kann sich insgeheim als zentral und hochgradig folgenreich erweisen. Nötig ist daher eine Ausdifferenzierung von transitorischen und transformativen Aspekten. Während transitorisch einen vorübergehenden, nur relativ kurz andauernden Wechsel meint, bezeichnet transformativ eine nachhaltige, längerfristige, effektvolle Entwicklung. Das erste ist eine Umstellung, das zweite eine Umwandlung. Transitorisch benennt eine andere Gegenwart, transformativ eine andere Zukunft.

Eine solche Zukunft versteht der Kulturtheoretiker Arjun Appadurai als „a culturally organized dimension of human life“ (2013: 294): „We also need to remember that the future is not just a technical or neutral space, but is shot through with affect and sensation“ (ebd.: 286f.). Diese affektive Aufgeladenheit ist in der persönlichen wie öffentlichen Stimmung derzeit regelrecht greifbar. Doch mit dem abgegriffenen und sehr normativen Begriffspaar von Optimisten und Pessimisten kommt man, glaube ich, in der Analyse von „humans as future-makers“ (ebd.: 285) nicht besonders weit. Stattdessen möchte ich eine Kategorisierung in Progressivisten und Regressivisten vorschlagen. Beide verstehe ich dezidiert nicht als bestimmte oder bestimmbare Einzelpersonen, sondern als soziologische Denkfiguren. Sie stellen modellhafte Idealtypen bestimmter Deutungs- und Handlungsstile dar, in denen sich heterogene Kräftefelder und verschiedenartige Diskurse kreuzen.

Progressivisten

Kennzeichnend für Progressivisten sind die vielfachen „Krise als Chance“-Äußerungen. Betont wird die produktive Kraft von Zukunftsgestaltung, wie sie auch bei Appadurai durchtönt: „[T]he future is not a blank space for the inscription of technocratic enlightement or for nature’s long-term oscillations, but a space for democratic design that must begin with the recognition that the future is a cultural fact“ (ebd.: 299). Hoffnung müsse nicht nur als ein Produkt von Ausnahmesituationen und Notständen – aktuell etwa in Form der vielen „Alles wird gut“-Regenbogen-Schilder –, sondern als stetes Element alltäglichen Denkens und Handelns verstanden werden, fordert Appadurai. Ideen und Vorstellungen des guten Lebens seien zu verstehen „as a map of the journey from here to there and from now to then, as a part of the ethics of everyday life“ (ebd.: 292).

Stärker herauskommen als hineingeraten zu sein, ist die zentrale Deutung der Progressivisten. In ihr fungiert Hoffnung „as a feature of quotidian social life“ (ebd.: 289). Die Forderung nach einem ökologisch ausgerichteten Wiederaufschwung der Wirtschaft ist dafür ein gutes Beispiel, ebenso die Erwartung eines ersehnten Digitalisierungsschubs in der Schul- und Arbeitswelt. Oder auch individuelle Reflexionen darüber, was einem im Leben wirklich wichtig ist; moralische Motive von Solidarität und Vergemeinschaftung – wieder stärker auf den älteren Nachbarn zu achten oder öfter mal die Großcousine anzurufen. Die Corona-Krise habe dann, bei aller Tragik, auch etwas Gutes, ja sogar Heilsames. So wird sie jedenfalls von den Progressivisten umgedeutet zu einem Schritt der Veränderung nach vorn, getragen von „ethics of possibility“: „[T]hose ways of thinking, feeling and acting that increase the horizons of hope, that expand the field of the imagination, that produce greater equity in what I have called the capacity to aspire, and that widen the field of informed, creative, and critical citizenship“ (ebd.: 295).

Regressivisten

Aber es gibt auch ganz andere Tendenzen und Deutungen. Appadurai zitiert die Kapitalismuskritikerin Naomi Klein: „[N]ot so long ago, disasters were periods of social levelling, rare moments when atomized communities put disasters aside and pulled together. Today they are moments when we are hurled further apart, when we lurch into a radically segregated future where some of us will fall off the map“ (ebd.: 296). Die Antizipationen der Regressivisten angesichts solcher Entwicklungen sind das, was der Soziologe Zygmunt Bauman als „Retrotopia“ bezeichnet hat: „Statt in eine ungewisse und allzu offensichtlich nicht vertrauenswürdige Zukunft investierte man alle Hoffnungen auf gesellschaftliche Verbesserungen nunmehr in ein halbvergessenes Gestern, an dem man vor allem dessen vermeintliche Stabilität und folglich Vertrauenswürdigkeit schätzenswert fand. Durch diese Kehrtwende wird die Zukunft, vormals natürliches Habitat der Hoffnung und berechtigter Erwartungen, zum Schreckensszenario drohender Alpträume“ (2017: 14).

Zu den retrotopischen Tendenzen der Regressivisten kann man aktuell beispielsweise antiglobalistische Diskurse zählen, die zwar auch schon vor der Corona-Pandemie existierten, nun aber eine deutliche Verstärkung erfahren. Es geht um Kritik an internationaler Verflechtung und Supranationalität, um das Zurückweisen von Ambiguität und Komplexität, im Extremfall bis hin zu Verschwörungsmythen. Die geschlossenen Grenzen in Europa bilden zurzeit sicherlich den sinnbildlichsten Ausdruck für regressivistische Maßnahmen und eine Retropie, die Bauman zufolge „ihren Reiz aus der Hoffnung auf eine endgültige Versöhnung von Freiheit und Sicherheit“ (ebd.: 17) gewinnt. „Die Straße nach Morgen wird zum düsteren Pfad des Niedergangs und Verfalls“, schreibt er. „Vielleicht erweist sich da der Weg zurück, ins Gestern, als Möglichkeit, die Trümmer zu vermeiden, die die Zukunft jedes Mal angehäuft hat, sobald sie zur Gegenwart wurde?“ (ebd.: 15).

Unterscheidungen: Optimist, Pessimist, Stoizist

Es gibt wichtige Unterschiede des Progressivisten und Regressivisten zum Optimisten bzw. Pessimisten. Sie liegen im Grad des selbstständigen Handelns gegenüber des fremdbestimmten Sich-Fügens: Während der Optimist eher passiv auf das Kommende vertraut, weil eh schon alles gut werden wird, reagiert der Progressivist ziemlich aktiv mit einem gestalterischen „Hin-zu“ und dem Vorantreiben eines Kosmopolitismus. Und während der Pessimist eher passiv in Resignation versinkt, weil eh schon alles vergebens ist, reagiert der Regressivist ziemlich aktiv mit einem „Zurück-zu“ und dem Vorantreiben eines Isolationismus. Beide Sozialfiguren zeichnen sich nicht durch Untätigkeit, sondern durch je spezifische, intervenierende Praxisformen aus. Im Gegensatz zur Optimist-Pessimist-Paarung richtet die Kategorisierung von Progressivisten und Regressivisten den Blick nicht nur auf bestimmte Denkhaltungen und Deutungsstile, sondern auch auf die daraus hervorgehenden, konkreten Handlungspraktiken. Die Gegenüberstellung eines progressiven „Hin-zu“ und eines regressiven „Zurück-zu“ kann daher auch die sich aktuell verschärfenden gesellschaftlichen und politischen Polarisierungen angemessener beschreiben.

Allerdings beinhaltet eine eingängige Einteilung immer auch eine gewisse ‚faktische Kraft des Normativen‘ und verführt dazu, sie allzu ernst zu nehmen. Das strukturalistische Zweierschema suggeriert ein plakatives Entweder-Oder. Zu ergänzen wäre daher mindestens eine dritte, aber konzeptionell ziemlich diffuse Kategorie, für die ich bisher keinen passenderen Begriff gefunden habe als die des Stoizisten. Dessen Devise ist es gerade nicht, engagiert zu handeln, sondern vielmehr, bisweilen apathisch abzuwarten und die Lage auszusitzen. Für ihn ist die Zukunft nicht affektiv aufgeladen, weder positiv noch negativ. Keine Hoffnungen, die enttäuschend, keine Ängste, die lähmend wirken könnten. Intervention ist seine Sache nicht. Es könnte bald zunehmend ungemütlich für ihn werden. Denn ein Geist ist aus der Flasche.

Welcher Geist, das erläutert der zweite Teil dieses Beitrags.

Tobias Becker (Freiburg im Breisgau)

Literatur

Arjun Appadurai 2013: The Future as Cultural Fact. In: ders.: The Future as Cultural Fact. Essays on the Global Condition. London, Brooklyn/NY: 285–300.

Zygmunt Bauman 2017: Retrotopia. Berlin.

Krise? Welche Krise?

Wovon wir uns ein Wort machen, machen wir uns die Welt. Sprache prägt das Denken und kreiert kollektive Vorstellungen. Besonders ein Begriff erfährt eine anhaltende und ungemeine Popularität im gesellschaftlichen Diskurs: die Krise. Staatskrise, Eurokrise, Lebenskrise, Finanzkrise, Regierungskrise, Liebeskrise… Es scheint, als krisele es immer irgendwo. Krise fungiert als ein bestimmtes kulturelles Erzählmuster (Meyer-Schlenkrich u. a. 2013), vielleicht sogar als ein Leitbegriff der Moderne.

Krise ist eine prominente Vokabel von Politiker*innen, Ökonom*innen oder Journalist*innen, aber auch von Kulturwissenschaftler*innen. Die Rede von der Krise hat immer einen deskriptiven und einen interpretativen Charakter. Krise ist sowohl ein Begriff, der Phänomene benennt, als auch ein eigenständiges Konzept, das theoretische Versatzstücke mit sich trägt – und meistens verschwimmen beide Dimensionen ineinander. Eine kulturanalytische Begriffsreflexion geht nicht unbedacht von sprachlichem Fremd- in Selbstgebrauch über, sondern trägt die unterschiedlichen Verwendungsweisen und Sinnschichten in der Rede von der Krise analytisch ab: Inwiefern ist das Krisen-Label treffsicher und präzise genug? Schärft es unseren Blick und Verstand? Oder trägt es eher zu terminologischen Unschärfen bei? Zugespitzt formuliert: Ist die Beschreibung und Diagnose der aktuellen Lage als „Corona-Krise“ eher vereindeutigend oder verunklarend?

Ähnlich, wie es der Volkskundler Helge Gerndt einmal für den Kultur-Begriff formuliert hat (2000: 219), ist es kulturanalytisch nicht sehr ergiebig zu fragen, was Krise allgemein ist, sondern, was sie im speziellen Fall meint. Ich möchte Gerndt präzisieren: was wer damit meint. Wenn Kulturwissenschaftler*innen fragen, „Krise? Welche Krise?“, dann stellen sie also nicht unbedingt deren Existenz in Abrede, sondern sie betonen das „Welche“ und fragen: Wer meint mit der Corona-Krise was in welchem Kontext und mit welchem Sinn? Ich greife drei wichtige Dimensionen heraus – Zeitlichkeit, Räumlichkeit und Akteur*innen –, um unterschiedliche Aspekte und Implikationen des Krisenbegriffes aufzuzeigen.

Zeitlichkeit

Bezeichnet Krise ein spezifisches, zeitlich identifizierbares Ereignis (Ölkrisen)? Oder eher einen eher unmerklichen, sich aber sukzessive zuspitzenden Prozess (Klimakrise)? Auf jeden Fall impliziert die Krise-Diagnose spezifische Vorstellungen von Zeitlichkeit, sei es als ein eher kurzfristiges Ereignis (Kubakrise) oder eine längerfristige Entwicklung (Parteienkrise). Der spezielle Begriff der Corona-Krise verbindet verschiedene Zeithorizonte: Er führt das aktuelle Geschehen mit den Entwicklungen der vergangenen und den Antizipationen der kommenden Monate zusammen. Wer von einer Krise spricht, positioniert sich, narrationstheoretisch betrachtet, immer auch selbst zum Gegenstand. Das kann erstens ein Bezug zur unmittelbaren Gegenwart sein. Dann stellt Krise eine Zeitdiagnose, eine Momentaufnahme dar, die revidier- und modifizierbar bleiben muss, wenn sie die steten Wandlungen der Wirklichkeit erfassen und nicht kurzsichtig und ahistorisch sein will.

Denn zweitens fungiert Krise als ein Etikett, um Geschichtsschreibung zu stiften, Ereignisse narrativ einzuordnen, historische Abfolgen und damit auch immer eine gewisse Form von Kausalität zu erzeugen. Gegenwartsdiagnostik und Geschichtserzählung sind als zwei Deutungsmodi stets miteinander verknüpft; es geht um deren Gewichtung zueinander. Im Moment liegt der Fokus in der öffentlichen, tagesaktuellen Rede von der Corona-Krise noch relativ stark auf dem Jetzt. Aber die unzähligen ins Leben gerufenen Sammlungsaufrufe und Dokumentationsprojekte von Historiker*innen und Museen sind unübersehbare Indizien für eine längst stattfindende Verschiebung der beiden Modi und dem Ringen um die Art der Krisen-Erzählung.

Räumlichkeit

Ein zweiter Aspekt ist die Frage nach der Lokalisierung der Krise. Betrifft sie einzelne, mehr oder minder klar definierbare Weltregionen, die am besten weit entfernt liegen (Ukrainekrise, Balkankrise)? Oder entwertet Krise lokale Unterschiede, indem sie ortsunabhängige Wirkung zeigt (Systemkrise, Strukturkrise)? Hebt die Rede von der Corona-Krise also Räumlichkeit hervor oder nivelliert sie diese? Beides trifft in gewissem Maße zu, denn die Krise äußert(e) sich diskursiv sowohl in räumlichen Zuspitzungen (Wuhan, Ischgl, Heinsberg usw.) als auch in den überregionalen Verflechtungen einer Pandemie. Der Begriff der Corona-Krise beinhaltet semantisch beides: ortsfest und ortslos, umzirkelt und zirkulierend.

Das Geschehen spielt sich in vielen Weltregionen gleichzeitig ab, aber in unterschiedlichen Stadien und Geschwindigkeiten. Gerade Vertreter*innen postkolonialer Theorie machen derzeit darauf aufmerksam, dass Ungleichzeitigkeit mit Ungleichheit einhergeht. Verschwinden diese Asynchronitäten zu sehr in einer Konnotation von Krise, die auf lokal Punktuelles und linear Temporalisiertes ausgerichtet ist? Sollte man lieber im Plural von mehreren Corona-Krisen sprechen, um der sozialen Vielfältigkeit und regionalen Verschiedenheit der Entwicklungen besser Rechnung zu tragen?

Akteur*innen

Bei der Verwendung des Krisenbegriffs stellt sich drittens die Frage, welche Akteur*innen in Beziehung gesetzt werden. Wer oder was ist eigentlich betroffen? Schematisch gegliedert kann Krise erstens individuell angelegt sein. Dann bezeichnet sie beispielsweise eine auf das Private zielende Situation (Ehekrise) oder einen geistig-innerlichen Zustand (Sinnkrise). Zweitens wird Krise in einem kollektiven Sinn verwendet. Dann zielt sie auf eine bestimmte, umgrenzbare und damit auch abgrenzbare Gruppe, zu der man am besten nicht selbst dazugehört (Flüchtlingskrise). Drittens wird der Krisenbegriff institutionell gemünzt, sodass nicht individuelle oder kollektive Körper, sondern bestimmte Körperschaften addressiert werden (Bankenkrise). Und viertens wird Krise strukturell semantisiert, deren eingeschriebene Totalität sich analytisch besonders gut mit einem systemtheoretischen Blick einfangen lässt (Wirtschaftskrise, nur noch getoppt von der Weltwirtschaftskrise).

Die Corona-Krise wird insofern als total gedeutet, als dass sie mehr oder weniger alle Lebensbereiche umfasst. Betroffen sind alle. Wirklich alle. Aber die Risiken, auch das ist inzwischen vielfach hervorgehoben worden, sind entlang sozioökonomischer Faktoren unterschiedlich verteilt – zwischen jung und alt, arm und reich oder Stadt und Land. Pointiert gesagt: Das Virus schafft Gleichheit und verstärkt zugleich Ungleichheit. Inwiefern kommt das in der Rede von der Corona-Krise zum Ausdruck?

Sensibilisierung und Präzisierung

Diese kursorische Reflexion über implizite Konnotationen von Zeitlichkeit, Räumlichkeit und Akteur*innen schärft – bei aller Knappheit und Oberflächlichkeit – das Bewusstsein, welche semantischen Spannbreiten der Krisenbegriff aufweist. Die Krise der Corona-Krise meint etwas anderes als die der Klimakrise, der Flüchlingskrise und so weiter. Kulturwissenschaftler*innen sind in der Lage, diese Unterschiede genau heraus zu arbeiten. Sie sensibilisieren so für implizite Konnotationen und Kontextualisierungen des Wortgebrauchs und legen dessen kulturelle Bedeutungsschichten, kollektive Diskursmuster oder auch politische Instrumentalisierungen offen. Um zu urteilen, inwiefern Krise eine angemessene Vokabel für die Benennung von – Ja, von was eigentlich? – ist, braucht es solche Ausdifferenzierungen ebenso wie einen begriffs- und ideengeschichtlichen Abriss, der Stoff für einen eigenen Blogbeitrag wäre.

Was Helge Gerndt für den Kulturbegriff formuliert hat, kann auch für den Krisenbegriff gelten: „sein Stellenwert – und damit auch sein Inhalt – ist vom gegebenen Argumentationszusammenhang abhängig. Zu bedenken ist also stets zuerst die Zielsetzung: ob es im konkreten Fall in erster Linie um programmatische Orientierung, methodische Perspektivierung, sachbezogene Präzisierung, theoretische Konzeptualisierung oder politische Umsetzung geht“ (Gerndt 2000: 224). Genauer zu überlegen, worauf der Krisenbegriff den Blick lenkt und woran er ihn hindert, trägt zur Reflexion der mitgeführten kulturellen Bedeutungen und womöglich auch zur sprachlichen Präzisierung bei.

Es geht nicht darum, was der Begriff meint, sondern darum, was wir mit ihm meinen.

Tobias Becker (Freiburg im Breisgau)

Literatur

Helge Gerndt 2000: Zielorientierungen oder: Wieviele Kulturbegriffe braucht Volkskunde als empirische Kulturwissenschaft? In: Siegfried Fröhlich (Hg.): Kultur – Ein interdisziplinäres Kolloquium zur Begrifflichkeit. Halle (Saale): 215–228.

Carla Meyer-Schlenkrich u. a. (Hg.) 2013: Krisengeschichte(n). „Krise“ als Leitbegriff und Erzählmuster in kulturwissenschaftlicher Perspektive. Stuttgart.

Die Welt als Lost Place

Mit den Reisebeschränkungen, Kontaktsperren und sonstigen Pandemiemaßnahmen der letzten Wochen kam das öffentliche Leben auf der halben Welt zum Erliegen. Einen kleinen Vorgeschmack auf „die Welt ohne uns“ bekommt man nun vielerorts direkt vor der eigenen Haustüre.

Zumindest bei mir in Frankreich, wo die Maßnahmen sehr umgreifend sind, begegnet man in manchen Straßen keinem Menschen. Mit den bereits vier Wochen Confinement, wie die Schutzmaßnahmen heißen, ist auch der Frühling eingezogen. In unserer Abwesenheit bricht sich die Natur langsam Bahn. Unkraut sprießt aus Gehwegen, Staub sammelt sich auf den Fenstern der geschlossenen Geschäfte, Vögel hüpfen über sonst vielbefahrene Straßen. In Venedig ist derweil das Wasser glasklar, die Treibhausemissionen gehen global zurück. Solche Beobachtungen des „Zurück zur Natur“ ließen sich bislang nur an verlassenen Orten machen. Das prominenteste Beispiel ist wohl die Sperrzone um Tschernobyl, in der die Bevölkerung der Stadt Prypjat nach dem atomaren Super-GAU alles zurücklassen mussten. Seit Jahren fasziniert dieses apokalyptische Zwangs-Naturreservat: Bilder der möblierten Häuser, die langsam verrotten und von der Natur erobert werden, gingen viral, wurden Schauplatz von Filmen, Computerspielen und letztlich selbst touristische Destination, seit die Ukraine den Publikumsverkehr in der Sperrzone genehmigt hat. Als eine der bekanntesten Dark-Tourism-Destinationen weltweit rangiert Tschernobyl mittlerweile bei den nationalen touristischen Besuchszahlen direkt hinter der Hauptstadt Kiew. Ob das Interesse an dieser geheimnisvollen Welt ohne Menschen nach der Corona-Erfahrung noch so bestehen wird, ist nicht abzuschätzen. 

Warum üben Lost Places eine solche Faszination aus?

Im Dazwischen liege der Reiz dieser verlassenen Orte, wie bereits Simmel über die Ruine schrieb: Zwischen Natur und Kultur, zwischen Vergangenheit und Gegenwart – und in der Abwesenheit des Menschen. Schließlich heißt das lateinische Wort „culturare“ auch bearbeiten und bezieht sich ursprünglich auf landwirtschaftliche Bodennutzung. Wenn also Stillstand einkehrt und die Bearbeitung des Menschen fehlt, seine Zeugnisse verfallen, dann haben wir in der Ruine nicht nur ein morbides Symbol der Vergänglichkeit, sondern auch die Versinnbildlichung der romantischen Sehnsucht nach dem „Ursprünglichen“, nach dem Zurückweichen der Zivilisation und ihrer Überformungen.  

Nun sind wir Menschen in diesen Zeiten nicht verschwunden, nur das öffentliche Leben ist gehemmt. Wir sind auch nicht im Rousseau’schen Sinne einen Schritt in Richtung Natur gegangen. Die Logiken unserer Kultur, sie greifen weiterhin, nur über andere Kanäle. So schreibt die taz am 14. April süffisant über das immer häufiger gesichtete Bücherregal im Hintergrund der Video-Chattenden, es sei der „Schwanzvergleich der Pandemie“, oder besser: der Ausdruck des eigenen Habitus.

Gleichzeitig heißt es angesichts der unbekannten Situation und der ständigen Wendungen vor allem: Ausharren. Und dieses Ausharren schafft Zeit für Reflexion – über das Gewesene und das Zukünftige. Viele Videos und Blogs der „Urban Exploration“, wie sich das Hobby nennt, verlassene Orte zu erkunden und dieses Abenteuer medial zu verfertigen, verfolgen eine bestimmte Erzählung: Es geht den Akteuren darin nicht nur ums Dokumentieren des Ist-Zustands des Verfalls, es geht auch um Spekulationen über die Vergangenheit der verlassenen Orte und ihre Zukunft. Nicht selten enden Beiträge mit dem Wunsch der Akteure, dass sich Investoren fänden, die die Ruine wiederherstellen und den Ort zu neuem Glanz führen.

Dasein in der Schwebe

Ganz ähnlich ist das aktuelle Ausharren im Dazwischen auch geprägt von umgreifenden Utopievorstellungen, von Träumen von einer besseren Welt nach Corona und von einer Reflexion über die Auswirkungen der Globalisierung. Globale Märkte, Industrie und Kapitalismus stehen in der Kritik, noch viel mehr, als dies im letzten Jahr durch die „Fridays for Future“-Bewegung angekurbelt wurde. Die schnelle Verbreitung des Virus und die globale Handelsschlacht um medizinische Produkte zeigen deren negativen Auswirkungen für alle sichtbar. Im eigenen Alltag wird die Logik der freien Marktwirtschaft und der sozialen Ungleichheit in Form von Hamsternden und leeren Regalen schmerzlich deutlich: Die einen kaufen weg, die anderen haben nichts.

Auch das politische Europa war zwischenzeitlich in ähnlich kritischem Zustand, wie ein Covid-19-Patient unter künstlicher Beatmung: Nationalismus, fehlender Konsens, unterschiedlichste Maßnahmen, volle Lager mit Geflüchteten an den Außengrenzen und dazwischen ein Deutschland, das wieder Ulrich Becks Vision vom „deutschen Europa“ in der Krise nach 2009 und dessen Gefahrpotential auferstehen ließ. „Wozu braucht es noch die Union, wenn sie nicht hilft?“, schienen viele EU-Bürger, gerade in Spanien und Italien bis vor Kurzem zu fragen. Der Verfall der europäischen Ordnung wirkte bereits fortgeschritten; das Haus Europa leer. Die zirkulierenden Verschwörungstheorien und Falschinformationen nagen derweil weiterhin an der Demokratie, auch an der nationalen. Ein Blick in die Kommentare der Live-Übertragungen von Statements des Robert-Koch-Instituts und der Regierung lassen schaudern. Doch dies war auch schon vor Corona so.

Kind fährt allein Skateboard am 04.04.2020 vor dem Straßburger Justizpalast.

Viel bemerkenswerter ist der Rückgang der Umfragewerte populistischer Parteien oder die hohe Zahl der neuen Abonnenten etablierter Medien. Beispielsweise die lokale Badische Zeitung verzeichnete über 2000 neue Digital-Abonnenten im März und auch ihre Printauflagen steigen. Die seit Jahren totgeglaubte Zeitung, sie hat in der Krise wieder hohe Bedeutung als Informationsquelle. Das hätte man vor Corona so wenig für möglich gehalten, wie die unkomplizierte Umstellung auf Home-Office in weiten Teilen des Dienstleistungssektors, oder die schnelle Entscheidungsfindung in der Politik. Alltag, so scheint es, hemmt auch manchmal Entwicklungen und Entscheidungen, die in der Krise plötzlich rapide möglich sind, vor allem aber stützen sich verunsicherte Menschen auf etablierte Diskursmächte: sei es in den Medien, in der Politik, oder in der Wissenschaft.

 Im besten Fall lernen wir nachhaltig aus dieser Krise, der Erfahrung von Grenzziehungen, Abwesenheit, Mangel, Bedrohung und dem Einschnitt von persönlicher Freiheit. Im Schlechtesten endet die Corona-Erzählung wie „Die Pest“ von Albert Camus, die es wieder in die Bestsellerliste geschafft hat: Die Überlebenden freuen sich ihres Daseins und verdrängen die dunkle Erfahrung möglichst schnell – der Alltag absorbiert jeden Zweifel von gestern.

 Die Welt bliebe auch dann kein Lost Place, aber renoviert würde sie nicht.

 Uwe Baumann (Freiburg im Breisgau/Straßburg)

Literatur

Ulrich Beck (2012): Das deutsche Europa. Berlin.

Albert Camus (1990): Die Pest. Düsseldorf [franz. Erstaufl. 1947].

Richard Sennett (1998): Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin  [engl. Erstauf. 1998].

Georg Simmel (2008): Die Ruine, in: ders.: Philosophische Kultur. Frankfurt a. M. [Erstaufl. 1907], S. 123-128.

Alan Weisman (2008): Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde. München [engl. Erstaufl. 2007].

Über diesen Blog

Alltag in der Krise – das bedeutet, dass gewohnte Routinen und Ordnungen fraglich werden. Vieles, was uns sonst so selbstverständlich erscheint, wird derzeit im Kontext der Corona-Pandemie fraglich. Vieles, was unser alltägliches Leben ausmacht, ist derzeit auf die Probe gestellt.

Alltag in der Krise – das bedeutet aber auch, dass sich neue Routinen und Ordnungen herausbilden. Denn auch in der Krise schaffen wir uns einen neuen, wenn auch einen anderen Alltag. Seien es Homeoffice, Homeschooling, lokale Initiativen oder die tägliche Interaktion mit Familie und Freunden über digitale Medien – viele Beispiele zeugen von Kreativität und Ideenreichtum und helfen, die gegenwärtige Situation zu bewältigen.

Beide diese Dimensionen gehören zur aktuellen Lage dazu. Und wir finden: beide sind es wert, genauer betrachtet zu werden. Darum geht es auf diesem Blog. Er wurde initiiert von Master-Studierenden aus Freiburg im Breisgau und soll ein partizipatives Projekt und eine Plattform des Austausches und der Anregung sein.

Als empirische Kulturwissenschaftler*innen beschäftigen wir uns professionell mit den Ausprägungen und Formen von Alltagskultur. Wir fragen danach, wie Menschen ihr Leben gestalten und wie sie gemeinsam mit Situationen und Herausforderungen umgehen. Mit den Analysen und Reflexionen auf diesem Blog möchten wir dazu beitragen, die aktuellen Entwicklungen kulturwissenschaftlich einzuordnen, diese Krise genauer zu verstehen und so gemeinsam besser hindurch zu kommen.

Die Beiträge verstehen wir dabei im wahrsten Sinne als „kulturwissenschaftliche Notizen“: „Notizen“ können helfen zu ordnen, zu verstehen, eine Übersicht zu gewinnen, etwas anzudenken, was zu einem späteren Zeitpunkt weitergeführt wird oder auch verworfen werden kann. Sie ermöglichen es, wo nötig, Distanz zu schaffen, indem der Gedanke auf Papier, oder den Bildschirm gebannt wird, oder unterstützen bei der Fokussierung. Sie helfen das zu ordnen, was in Echtzeit vor sich geht, ähnlich der zahlreichen Live-Ticker, die derzeit über jegliche Bildschirme rasen.

Die Heterogenität der Situation soll sich in den verschiedenen Beiträgen und dem gesamten Blog wiederspiegeln: Sie alle, Studierende, Interessierte und etablierte Kulturwissenschaftler*innen sind eingeladen, Ihre Gedanken hier festzuhalten, zu kommentieren, zu stöbern, weiterzudenken und zu teilen. In welcher Art Sie das tun – ob in Form eines philosophischen Gedankenspaziergangs, mit analytischer Feder, als autoethnografischer Bericht, Interview oder als Schnappschuss aus dem Corona-Alltag – bleibt Ihnen überlassen. Sollten Sie Interesse haben, einen Beitrag zu verfassen oder ein Foto oder Video einzuschicken, dann setzen Sie sich bitte mit der Redaktion in Verbindung.