Leben wir in historischen Zeiten?

Vor einiger Zeit erzählte mir eine Freundin, dass sie im Laufe des letzten halben Jahres durchaus das Gefühl gehabt habe, einen historischen Moment mitzuerleben. Wie sie das alles selbst hautnah erfahren habe in der Covid-19-Pandemie 2020, davon könne sie irgendwann einmal den nachkommenden Generationen berichten, stellte sie sich vor. Zum Beispiel, dass sie damals ins Autokino gegangen war. Bisher sei sie in ihrem Leben noch nie Zeugin von prägenden geschichtlichen Ereignissen gewesen, meinte die 22-Jährige. Um das Ende des Kalten Krieges 1989/90 miterlebt zu haben, ist sie zu jung. Die Terroranschläge von „Nine-Eleven“ kennt sie nur aus Geschichtsbüchern. Jetzt aber, inmitten einer weltweiten Virus-Pandemie, habe sie zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, ein globalhistorisch bedeutsames Ereignis mitzuerleben und einen bewussten Anteil an Geschichte zu haben.

Ich vermute: Mit dieser Einschätzung ist sie nicht allein und das nicht nur in ihrer jungen Generation. Im Frühjahr berichteten mir Bekannte von ihren Streifzügen mit der Fotokamera durch die Stadt, um leere Straßen oder Aushänge von geschlossenen Läden festzuhalten. Auch viele Beispiele aus dem Kulturleben und dem Feuilleton zeigen, dass die Auffassung, in historischen Zeiten zu leben, keine rein subjektive, sondern eine soziale ist. Man denke nur an die vielen Corona-Tagebücher oder an die unzähligen Sammlungsaufrufe von Archiven und Museen. Eine Karte der International Federation for Public History vermittelt einen breiten Überblick – und doch ist die Zusammenstellung alles andere als abschließend. Die in Deutschland wohl bekannteste Initiative ist das „Coronarchiv“, ein Public-History-Projekt dreier deutscher Universitäten. Eine „Dokumentation der Gegenwart einfangen und für die Nachwelt erhalten“ ist als Ziel auf der Projekthomepage formuliert, die Interessierte zur Einsendung von Quellenmaterial mit dem Imperativ einlädt: „become a part of history!“

Überreste werden zu Traditionsquellen

In der Geschichtswissenschaft unterscheidet man idealtypisch zwischen Traditionen und Überresten. Als Traditionsquellen wird absichtlich Überliefertes bezeichnet, wohingegen Überreste unabsichtliche Hinterlassenschaften darstellen. Durch die zigfachen Sammlungsaktionen werden nun gegenwärtige, gar allgegenwärtige Alltagsgegenstände, die ansonsten vielleicht einmal als Überreste behandelt werden würden, absichtlich aufbewahrt und damit ex ante zu Traditionsquellen umgedeutet. An diesen Überlieferungswillen knüpfen implizit weitere Intentionen und spezifische Zeitdiagnosen an. Sowohl die unzähligen Aktionen auf institutioneller als auch die subjektiven Empfindungen auf individueller Ebene verstehen sich als Ausdruck eines bewahrenswerten Moments, eines dokumentationswürdigen Einschnitts oder gar eines epochalen Umbruchs.

Historische Zäsuren entstünden jedoch aus der Logik der Retrospektive und dazu seien in der Regel längere Erfahrungsdistanzen nötig, argumentiert der Freiburger Geschichtswissenschaftler Jörn Leonhard (vgl. Leonhard 2020: 197). „Im Moment der noch unabsehbaren Krise über die Wirkung einer Pandemie als historische Zäsur nachzudenken, ist reizvoll, aber das heuristische wie hermeneutische Eis ist eher dünn“, gibt er zu bedenken (ebd.). Auch ich möchte zur skeptischen Zurückhaltung bei der Beurteilung mahnen, ob wir tatsächlich in historischen Zeiten leben. Ein Ja erscheint mir als zu verlockend, ein Nein als zu ignorant und ein Vielleicht als zu unverbindlich. Kulturanalytisch betrachtet ist stattdessen darauf zu verweisen, dass das, was als historisch und somit überlieferungs-, dokumentations- und erinnerungswürdig gilt, nicht in den Dingen und Geschehnissen an sich vorgegeben ist, sondern ein Resultat symbolischer Bewertungen, kultureller Deutungen und auch politischer Rahmungen darstellt.

„Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt“, betonte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache Mitte März und stellte damit rhetorisch ganz bewusst sehr starke nationalhistorische Referenzen her. Gerade angesichts derartig aufgeladener Vergleiche ist kritisch in Erinnerung zu rufen: Geschichtserzählung bedeutet Bedeutungszuweisung und Ordnungsstiftung. Der kontingente, unabschließbare und überschießende historische Raum an Erfahrungen, Praktiken und Prozessen wird dabei selektiert, perspektiviert und sortiert; Vergangenes wird mit Sinn und Struktur versehen. Ob in Museen, Archiven, Büchern, Ritualen, Erinnerungen und vielem mehr – Geschichte wird fortwährend geordnet, gedeutet und erzählt. Sie wird, wie man so schön sagt, gemacht.

Zwischen dem historisierten Augenblick und dem historisierenden Rückblick

Das Unterfangen der Geschichtsschreibung bewegt sich stets in einem Spannungsfeld: Es balanciert zwischen einer Rekonstruktion vergangener Gegenwart (mit der damaligen Unkenntnis, wie etwas kommen wird) und einer Relektüre gegenwärtiger Vergangenheit (mit der heutigen Kenntnis, wie etwas gekommen ist). Auf der einen Seite steht das Bemühen, sich in den offenen Raum der historischen Entwicklung hinein- und zurückzuversetzen, sich ihn vertraut zu machen und aus den Augen der damaligen Akteur*innen zu sehen und nachzuvollziehen. Auf der anderen Seite steht die retrospektiv-kritische Analyse, die immer schon von Grund auf an den Standort des Nachhineins und damit an Distanziertheit und Befremdung gebunden ist. Zum einen ist da der historisierte Augenblick, zum anderen der historisierende Rücklick.

Das bedeutet auch: Ein individuelles genauso wie ein kulturelles Bewusstsein eines aktuell vor sich gehenden, vorgeblich historischen Umbruchs kann sich in der Rückschau immer auch als grandiose Fehleinschätzung oder Selbsttäuschung erweisen. Vor einer Verkennung der Lage ist keine Gegenwart gefeit. Eine heutige gesellschaftliche Relevanz ist nicht sogleich mit einer historischen Relevanz gleichzusetzen. Denn in vorschnellen Selbsteinordnungen des Eigenen als etwas geschichtlich Bedeutsamen liegt insbesondere immer auch die Gefahr der Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung. Wie sich die Dinge in the long run darstellen und einordnen, lässt sich seriös, kritisch und fundiert erst mit einem historisierenden Blick beurteilen. Anstatt der Spekulation darüber, inwiefern wir in historischen Zeiten leben, ist kulturanthropologisch meines Erachtens ohnehin eine andere Frage deutlich interessanter und gewinnbringender: Warum sind offenbar so viele Menschen der Auffassung, sie lebten in historischen Zeiten? Sprich, wie kommt es eigentlich dazu, dass sich Zeitgenoss*innen auf einmal als Zeitzeug*innen begreifen?

Solchen Fragen geht es weniger darum, inwiefern aktuell etwas Geschichtliches passiert, sondern darum, warum zurzeit Geschichtlichkeit an sich eine solche Bedeutung zukommt. Geschichtsschreibung erweist sich dann als Gegenwartsdiagnostik, als ein Modus gesellschaftlicher Selbstorientierung, deren Erfahrungen es kulturwissenschaftlich ernstzunehmen gilt. Für eine genauere Analyse dieser Vorgänge helfen die beiden Begriffe des „Erfahrungsraums“ und des „Erwartungshorizonts“, die der Historiker Reinhart Koselleck (1923–2006) geprägt hat. Erfahrungen und Erwartungen sind für ihn ineinander verschränkt, das eine sei ohne das andere nicht zu haben (vgl. Koselleck 1979: 352). Erfahrung definiert Koselleck als „gegenwärtige Vergangenheit, deren Ereignisse einverleibt worden sind und erinnert werden können“ (ebd.: 354). Erwartung beschreibt er als „vergegenwärtigte Zukunft, sie zielt auf das Noch-Nicht, auf das nicht Erfahrene, auf das nur Erschließbare“ (ebd.: 355).

Erfahrung und Erwartung stellten einen Zusammenhang von Vergangenheit und Zukunft her, erläutert Koselleck. Doch die Art und Weise, wie beide Dimensionen aufeinander bezogen sind, sei nichts Statisches, sondern sie verändere sich ständig: „Im Medium von bestimmten Erfahrungen und von bestimmten Erwartungen zeitigt sich die konkrete Geschichte“ (ebd.: 353). Vielleicht ist die Praxis, Momente der Gegenwart eilig, manchmal allzu eilig als historisch zu klassifizieren, dann oft eher eine Art verlegene Übersprungshandlung, weil aus der In-medias-res-Position keine nuancierteren Beschreibungen für eine bestimmte aktuelle zeitliche Konstellation zur Verfügung stehen. Nicht zur Verfügung stehen können?

Ein Driften zwischen Erfahrungsraum und Erwartungshorizont

„Vergangheit und Zukunft kommen niemals zur Deckung, sowenig wie sich eine Erwartung zur Gänze aus der Erfahrung ableiten läßt“, schreibt Reinhart Koselleck (ebd.: 356). Es gebe eine Differenz zwischen Erfahrung und Erwartung, das eine lasse sich nicht bruchlos in das andere umsetzen (vgl. ebd.: 357). Mit Kosellecks Begriffen kann man die Corona-Pandemie somit als ein „Riß zwischen bisheriger Erfahrung und einer neu zu erschließenden Erwartung“ (ebd.: 361) beschreiben. Anders gesagt: Die Differenz zwischen Erwartung und Erfahrung hat sich vergößert. Erwartungen haben sich von gemachten Erfahrungen und Erfahrungen von gehegten Erwartungen entfernt. „Die Kluft zwischen Vergangenheit und Zukunft wird nicht nur größer, sondern die Differenz zwischen Erfahrung und Erwartung muß dauernd neu, und zwar auf immer schnellere Weise überbrückt werden, um leben und handeln zu können“ (ebd.: 369). Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie, ihren Ungewissheiten und Unsicherheiten erweist sich sowohl routiniertes Alltagshandeln als auch orientierende Geschichtsdeutung als ein unstetes Driften zwischen Erfahrungsraum und Erwartungshorizont.

Erfahrungen und Erwartungen streben nicht nur auseinander, auch ihre Größenverhältnisse ändern sich: Der Erfahrungsraum wird kleiner, weil das kulturelle Wissen im Umgang mit einer solchen Pandemie zu großen Teilen fehlte oder immer noch fehlt. Dadurch wird gleichzeitig der Erwartungshorizont breiter, indem sich die Zukunft stärker ins Ungewisse öffnet, in einen als weithin unbestimmt empfundenen Raum voller Prognosen und Vorahnungen, Spekulationen und Hoffnungen. Aus diesen Erwartungen wiederum speisen sich die vielfachen Erfahrungen eines Zuwachses an Diffusität: Der Blick in die Vergangenheit wird blass; die Zukunft schimmert nur verschwommen durch. Der Erfahrungsraum ist unbekannt, der Erwartungshorizont ungewiss.

Wie wird die Geschichte der Covid-19-Pandemie einmal geschrieben werden?

Auf die vielen Jahresrückblicke 2020 in einigen Wochen bin ich jedenfalls schon seit Längerem äußerst gespannt.

Tobias Becker (Freiburg im Breisgau)

Literatur

Reinhart Koselleck (1979): ‚Erfahrungsraum‘ und ‚Erwartungshorizont‘ – zwei historische Kategorien [1976]. In: ders.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Frankfurt a. M.: 349–375.

Jörn Leonhard (2020): Post-Corona: Über historische Zäsurbildung unter den Bedingungen der Unsicherheit. In: Bernd Kortmann, Günther G. Schulze (Hg.): Jenseits von Corona. Unsere Welt nach der Pandemie – Perspektiven aus der Wissenschaft. Bielefeld: 197–203.

Der Geist ist aus der Flasche – 2/2

Hier geht es zum ersten Teil dieses Beitrags, der die Sozialfiguren des Progressivisten und des Regressivisten erläutert.

Die Büchse der Pandora

Bei aller epidemiologischen Plausibilität der einschränkenden Maßnahmen in den letzten Wochen: Der Geist eines massiven politischen Eingriffs in Wirtschaft und Gesellschaft ist aus der Flasche. Und er wird sich dort nicht mehr zurückbringen lassen.

Das ist Erbe, Auftrag und Last zugleich.

Es ist eine kollektive Erfahrung, die sich einnisten wird in unser politisches Denkrepertoire, in das, was wir zukünftig als möglich und machbar erachten werden: Die Erkenntnis, dass das abstrakte Potenzial von einschneidenden Unfreiheiten in Gesellschaft, Wirtschaft und Alltag auch praktisch realisiert werden kann. Hinter diese Erkenntnis kommen wir nun nicht mehr zurück. Diese kollektiv geteilte Erfahrung wird sich nicht mehr einfangen lassen.

Vielleicht ist das die Büchse der Pandora: das Wissen, dass so etwas tatsächlich möglich (manche sagen: erschreckend leicht möglich) ist. Und damit im Grunde jederzeit wiederholt werden kann. Ich sehe gute Gründe für die Annahme, dass nicht nur progressivistische Verfechter*innen einer klimapolitischen Transformation der Wirtschaft, sondern auch regressivistische Feinde der freiheitlich-offenen Gesellschaft, etwa in der extremen Rechten, das gerade sehr aufmerksam registrieren.

Die Corona-Dynamik wird in gewisser Weise zugleich überschätzt als auch unterschätzt. Sie wird überschätzt, weil sich die Fronten zwischen den divergierenden Zukunftsprogrammen der Progressivisten und der Regressivisten auch schon zuvor zunehmend verhärtet hatten. Und sie wird unterschätzt, weil sie uns allen zutiefst anschaulich gemacht hat, was an politischen Eingriffen möglich ist. Was, wenn das auch unter anderen Umständen Anwendung finden wird? Was, wenn sich das antidemokratische, illegitime Kräfte zu nutze machen werden?

Genau hier wird ein transitorisches zu einem transformativen Potenzial. Aber dessen Richtung ist alles andere als klar. Wird sie eher progressivistisch oder eher regressivistisch orientiert sein? Fest steht bislang nur: Der Geist ist aus der Flasche. Welcher Geist genau, das muss sich noch zeigen. Wird sich zeigen.

Tobias Becker (Freiburg im Breisgau)

Über Unverfügbarkeit

„Alles, was erscheint, muss gewusst, beherrscht, erobert, nutzbar gemacht werden“, so formuliert der Soziologe und Philosoph Hartmut Rosa die seiner Ansicht nach für die Spätmoderne zentrale Logik (2018: 12). Doch das Corona-Virus durchkreuzt solche Vorstellungen. Ein wichtiger Aspekt der derzeitigen gesellschaftlichen Unruhe liegt in der kollektiven Erfahrung von Unverfügbarkeit. Spontanität und Performanz stehen den Erwartungen von Ordnung, Kontrolle und Planung gegenüber.

Das heutzutage dominante Handlungsprinzip ziele auf eine ständige und immer konsequentere Verfügbarmachung der Welt, argumentiert Hartmut Rosa. Es gelte „zu wissen, zu erschließen, zu erreichen, anzueignen, zu beherrschen und zu kontrollieren“ (ebd.: 20). Doch dabei sei es gerade das Moment des Unverfügbaren, in dem sich eine wirkliche Beziehung des Selbst zur Welt realisiere. Der philosophische Begriff der Unverfügbarkeit bezieht sich auf Ereignisse, die nicht beeinflussbar oder berechenbar sind, sondern die einem einfach widerfahren. Etwa unerwartete Momente von Glück, Liebeskribbeln, Muße, Nervenkitzel, Überwältigung, Faszination – ob auf der Yogamatte, der Bergspitze oder der Gitarre; ob in Arenen, Theatern oder Kirchen.

Diese Momente, die sich gerade nicht vorhersehen, nicht herstellen und nicht planen lassen, seien als „Erfahrung von Lebendigkeit und von Begegnung“ von eigenem Wert, so die positiv gestimmte Auffassung Hartmut Rosas (ebd.: 10). Doch im Zuge der Corona-Pandemie wird diese Unverfügbarkeit nicht zum Erlebnis, sondern zur Gefahr. Es gibt keinen Impfstoff, der dem Virus Einhalt gebieten könnte. Es ist nicht vorherzusehen, wer als nächstes infiziert wird. Diese Unsicherheit, das Nicht-Wissen und der Eindruck, die Lage nicht unter Kontrolle zu haben, werden zu Treibern gesellschaftlicher Verunsicherung.

Wer hat das Heft in der Hand? Die Natur oder die Kultur? Die Medizin oder die Biologie? Am Coronavirus wird aktuell deutlich, dass der Glaube und der andauernde Versuch, gegenüber der Welt am längeren Hebel zu sitzen, nie wirklich von Erfolg gekrönt ist. Ja mehr noch: „In vielerlei Hinsicht wird die spätmoderne Lebenswelt immer unverfügbarer, undurchschaubarer und unsicherer“ (ebd.: 124). Aus dieser Perspektive heraus ist die Corona-Pandemie eine „Rückkehr des Unverfügbaren als Monster“ (ebd.). Für die Gefahr des Coronavirus gilt dann ähnliches wie das, was Hartmut Rosa für die risikobehaftete Atomkraft feststellt: „Sie ist monströs, weil sie unhörbar, unsichtbar, unriechbar, untastbar ist“, sodass wir „einem Weltausschnitt – etwa einer Landschaft, einer Blume oder einem Apfel – nun nicht mehr ansehen oder anmerken, ob er toxisch und tödlich oder harmlos und schön ist“ (ebd.: 130).

Unverfügbarkeit ist hier keine Bereicherung, sondern eine Bedrohung. Mit dem Virus soll gerade keine individuelle Beziehung eingegangen, sondern es soll auf Abstand gehalten werden. Rosa deutet in seinen Reflexionen über den Status und Charakter des Unverfügbaren in der Spätmoderne solche Momente der Gefahr und Abwehr nur als Ausblick an. Doch genau diese Umkehrung stellt derzeit hochbrisante Fragen: Kann es einen kulturellen Umgangsmodus mit dem Virus geben, der dessen Unverfügbarkeit nicht nur zu unterdrücken versucht, sondern anerkennt? Und wenn ja, wie würde dieser aussehen?

Tobias Becker (Freiburg im Breisgau)

Literatur

Hartmut Rosa 2018: Unverfügbarkeit. Wien, Salzburg.