Stell Dir vor, draußen ist Corona-Pandemie und jeder bleibt zuhause…

Wir befinden uns im Jahr 2020, Ort der Handlung ist das Hier und Jetzt. Auf der Bühne der Weltgesellschaft wird das Drama „Corona-Pandemie“ aufgeführt. Wir sind alle Mitwirkende und Zuschauer zugleich. Da ist es Zeit, jeden Einzelnen zu fragen: Wie reagierst Du selbst auf Corona?

In der Anfangsphase der Ausbreitung von COVID-19 dokumentieren meine kurzen Interviews die Situation, Befürchtungen und Hoffnungen meiner Mitmenschen in Bezug auf die weltweite Pandemie. 

Den Anfang des Projekts bildete ein von mir gesprochener Text mit drei Fragen den ich per Audiobotschaft an etwa 50 Personen versendet habe. Später habe ich die Fragen noch schriftlich ausformuliert:

Inwiefern betreffen Dich die Präventivmaßnahmen zur Corona-Pandemie (also was hat Corona für Auswirkungen auf Dich)?

Was sind Deine konkreten Befürchtungen in Bezug auf die Corona-Pandemie?

Was gibt Dir Hoffnung in diesen Zeiten?

Abschließend gab es noch eine Bitte:Hast Du einen Tipp für Deine Mitmenschen?

In den folgenden Tagen und Wochen haben Menschen in unterschiedlichsten Berufen und sozialen Situationen schriftlich oder per Audiobotschaft auf meine Fragen geantwortet. Wenn die Befragten die Antworten für die Veröffentlichung autorisiert haben, wurden die Audiodateien hochgeladen und über eine Website zur Verfügung gestellt.

Mit Hilfe meiner subjektiven teilnehmenden Befragung erfasse ich die Individuen in ihrer jeweiligen emotionalen Situation. Die erste Frage soll die Befragten in ihrem spezifischen sozialen Umfeld abholen und ihre persönlichen Eindrücke erfassen. Die zweite  Frage nach den Befürchtungen gibt einen Einblick in die Sorgen der Befragten. Dies wird von der abschließenden Frage nach Hoffnungen aufgefangen und gibt dem Interviewenden, Interviewten und Lesenden einen affirmativen Abschluss.

Von den Befragten hat etwa ein Drittel geantwortet. Frauen haben eher ausführlicher und auch spontaner geantwortet. Den Anfang bildete meist eine Schilderung der aktuellen unmittelbar persönlichen Situation mit ihren Einschränkungen. Die Antworten reichten von Zukunftskepsis eines Studenten, der sich mit Hilfe eines Umzuges in eine Wohnung mit Balkon in sozialer Distanz übt, bis zu Rentnern mit Atemwegserkrankungen in unmittelbarer Gefährdungslage durch das Virus. So sorgt sich Charlotte um ihren Vater, erkennt aber gleichzeitig an, dass er sich gut schützt: „Ich habe Angst um meinen Papa, der ist siebzig geworden letztes Jahr. Er hat auch Vorerkrankungen und viel geraucht als er jünger war und er hatte auch Lungenentzündungen und ähnliches. Er ist aber ein alter Trapper und schließt sich einfach zuhause ein.“ Janosch hinterfragt die weitgehend unkritisch hingenommenen Einschränkung der Bürgerrechte  und auch Friedrich ist sich nicht sicher, ob alle Einschränkungen wieder auf den Zustand vor Corona zurückgefahren werden.​ ​Andere, wie Petra, befürchten die mittelfristigen sozialen Folgen der Schutzmaßnahmen: „Ich befürchte auch, dass wir lange, lange und über die nächsten Generationen hinweg die Folgen tragen müssen, genauso wie im Augenblick die Folgen der Bankenkrise von 2008.“

Die meisten Befragten äußern große Hoffnung und Glück in den kleinen Dingen.

Marianne hofft auf Erkenntnis, indem sie die Hoffnung äußert, „dass die Welt, die jetzt zum Stillstand verdonnert ist, sich auf sich selbst besinnt. (…) Meine Hoffnung ist, dass da ein Umdenken stattfindet auf das Wesentliche, den Umgang miteinander und den Umgang mit der Natur und mit unserer Welt.“ Auch​ ​Titus betrachtet das Ganze global: „Unsere Erde, die bekommt nun wesentlich weniger CO2 ab und vielleicht kann man das auch alles ein klein bisschen runterfahren (…).“

Andere finden Kraft in ihrem Glauben, wie Elisabeth: „Trösten tut mich wirklich, dass ich beten kann, dass sich unser Leben und das Leben unserer Kinder immer wieder Gott anvertrauen kann.“​ Aber auch im Privaten ​kann man Glück finden, wie Fariba, die vorschlägt: „einfach die Zeit intensiv zu nutzen und zu schauen, dass man da so weit wie möglich daraus etwas Gutes macht.“​ ​Und konkrete Tipps gibt es unter anderem von Lydia, die gleichzeitig die Bedeutung der Kommunikation auch über Internet betont: „Wir verbringen mehr Zeit damit, uns miteinander zu unterhalten, Spaziergänge zu unternehmen. (…) Das Internet ist wichtig geworden in der aktuellen Situation. Es bietet bessere Austauschmöglichkeiten auch mit Freunden und Familie an.“

Die soziale Distanzierung, die ausfallenden sozialen Veranstaltungen und insbesondere das Ostern ohne Familie machen allen zu schaffen, aber zahlreiche Telefonate und Interaktionen über soziale Medien kompensieren zum Teil die Lage. In den lokalen Nachbarschaften bildet sich aus einem Gemeinschaftsgarten ein solidarisches soziales Netzwerk. Am Ende finde ich in den vielen Antworten und Reaktionen der Befragten immer wieder die Zuversicht, die uns auch in Zeiten massiver sozialer Verwerfungen morgens aufstehen lässt, zur Arbeit gehen und uns um unsere Familien kümmern lässt. 

Timo Tamm

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